Gewinner*innen

Das sind die Gewinner*innen 2022!

Alle Werke werden mit je 300 Euro und einer GINCO-Trophäe in Form unseres Maskottchens, Artie die Bildkröte, ausgezeichnet.

Bester Webcomic

Der Zeitraum/ A fraction of Time

von Lisa Frühbeis

 

Link: https://tapas.io/series/A-Fraction-of-Time

 

Laudatio von Ralf Singh

Lisa Frühbeis’ Comic über eine Komponistin und alleinerziehende Mutter, die auf einer abgelegenen Insel eine seltsame Tür in eine Parallelwelt entdeckt, hat uns als Jury überzeugt. Der Comic ist 2021 zwischen September und November, in insgesamt 15 Episoden auf der Webcomic-Plattform Tapastic erschienen. "A Fraction of Time" ist nicht nur unser Favorit in der Kategorie Webcomic, sondern hat in der Gesamtwertung der Jury zusammen mit einem anderen Titel die höchste Punktzahl in allen Kategorien erreicht. Das war für uns der Beweis, dass Webcomics und Print Comics gleichermaßen begeistern können. Die Verwendung von einfachen Linien und Farben, um meisterhafte Bildkompositionen zu gestalten, macht diesen Comic zu einem absoluten Vorbild für den modernen Comic im Web. Uns als Jury war es wichtig, eine Kategorie zu haben, die das Medium Web hervorhebt und Titel zu nominieren, die es auch auf besondere Art ausschöpfen. Lisa Frühbeis ist es auf grandiose Weise gelungen, eine fesselnde Geschichte im Scroll-Down-Prinzip zu gestalten. Deswegen wird ihr Comic “A Fraction of Time” von uns als bester Comic in der Kategorie “Webcomics” ausgezeichnet.

Bester Printcomic

Vasja, dein Opa

von Anna Rakhmanko & Mikkel Sommer

Link:http://www.rotopolpress.de/produkte/vasja-dein-opa

Laudatio von Rilana Kubassa:

Die Autorin Anna Rakhmanko erzählt die bewegende Geschichte ihrer Großtante „Ljuba“ nach, die 1941 als kleines Mädchen mit ihrer Familie eines Nachts von sowjetischen Soldaten aus ihrem Haus in einem rumänischen Dorf geholt und nach Sibirien deportiert wurde. Die Reise dorthin ist geprägt von unfassbaren Entbehrungen und Gefahren, das Leben im Norden, wo die Familie von nun an leben und arbeiten muss, ist hart. Nicht alle Familienmitglieder überleben. Anna Rakhmanko gibt die Erzählung sehr lebendig wieder, fast hat man das Gefühl, man hört die Stimme von „Oma Ljuba“, wie sie aus der Kindesperspektive von ihrer Freude erzählt, als die Familie auf der Reise ein paar Eimer Moltebeeren sammeln kann. Zeichnerisch setzt Mikkel Sommer die Geschichte mit grobem, pointiertem Strich um und lässt dabei viel Raum für die Erzählung. Die zerfurchten Gesichter, die harte Arbeit und die karge Landschaft erhalten in den fast holzschnittartig wirkenden Bildern dabei auch einen repräsentativen Charakter. Dieser ist durchaus passend, denn wie Rakhmankos Familie wurden im Zuge der umfassenden ethnischen Deportationen der UDSSR zwischen 1941 und 1942 geschätzt 1,2 Millionen Menschen aus ihren Heimatorten in Rumänien, Litauen, Lettland und Estland verschleppt und in weit entfernte Gegenden verbracht. Über diese massive Form der politischen Gewalt und Unterdrückung liest man noch immer wenig.

Mit dem authentischen Zeitzeugenbericht ermöglicht „Vasja, dein Opa“ einen wichtigen Einblick in einen Teil der Weltgeschichte, die nicht nur von Staatsführer:innen, sondern vor allem von den Menschen geschrieben wird. Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine, in dessen Rahmen ebenfalls von Verschleppung durch Russland berichtet wird, verleiht „Vasja, dein Opa“ eine schockierende Aktualität. Formal zeigt „Vasja, dein Opa“ sehr eindrücklich, wie Story und Artwork im Medium Comic zu einem stimmigen und anspruchsvollen Gesamtwerk verschmelzen können, während beide Ebenen eine eigenständige hohe Qualität bewahren. „Vasja, dein Opa“ geht für die Jury damit eindeutig als Gewinner in der Kategorie Printcomic hervor.

Bester Kinder- und Jugendcomic

Das Ungeheuer von Lake Oddleigh

von Tor Freeman (Comic) und Dominik Merscheid (Übersetzung ins Deutsche)

 

Link: https://pe-ri-dot.com/collections/polle

 

Laudatio von Ines Korth:

Oddly, englisch, deutsche Übersetzung: seltsam, sonderbar. Vielleicht auch schrullig?

In einer Stadt, die fast genauso heißt und genauso ausgesprochen wird, ermittelt das Duo aus Chief Inspector Jessie und Sergeant Sid nun schon in einer ganzen Reihe merkwürdiger Vorkommnisse, nachzulesen beim Reprodukt Verlag. Heute soll es aber um eine Geschichte gehen, die in POLLE, dem Comic-Magazin für Kinder, erschienen ist und in der es die beiden an den See dieser kleinen Stadt Oddleigh verschlägt. In diesem treibt wohl ein Ungeheuer sein Unwesen und versetzt die Bewohner in Angst und Schrecken sowie siebzehnstrophige Balladenstimmung. Doch in einer Welt voller sprechender Tiere ist vielleicht auch ein Ungeheuer in einem See nicht ganz das, was es zu sein scheint.

Die Londoner Kinderbuchautorin und Illustratorin Tor Freeman hat mit “Das Ungeheuer von Lake Oddleigh” eine humorvolle Liebeserklärung an klassische britische Detektivgeschichten geschaffen, garniert mit Seebären, Seemannsgarn und dem Seelenfrieden zweier Liebenden. Zeichnerisch beweist sie ein wunderbares Timing, das ihren Humor gut zu transportieren weiß. Ihr Stil ist Bleistift-locker und leichtfüßig, die Kolorierung schlicht, aber stimmig. Das alles ist großartig charmant übersetzt von Dominik Merscheid.

Wir zeichnen “Das Ungeheuer von Lake Oddleigh” als besten Kinder- und Jugendcomic aus, aber wenn ich ehrlich bin, ist es einfach ein Comic für alle, die was übrig haben für warmherzig schrullige Detektivgeschichten.

 

Bester Comic im Selbstverlag

Warnebi

von Wiebke Bolduan

 

Link: https://wiebkebolduan.myportfolio.com/warnebi-comic

 

Laudatio von Kami Wallner:

Warnebi die Pinke Lagune - und der dazugehörige Souvenirshop, das ist der zentrale Ort im Leben von Anders, dem Protagonisten des im Selbstverlag erschienenen Kurzcomics "Warnebi" von Wiebke Bolduan.

Anders ist angestellt im Warnebi Souvenirshop und Bolduan schafft es zielgenau uns in der ersten Szene ein wunderbares Bild der Monotonie des Lebens von Anders zu zeigen: Es regnet und kein Mensch hat im Regen Lust eine Lagune zu besuchen, auch wenn sie pink ist. Doch umgeben von pinkem Merchandise sitzt Anders trotzdem brav seine Arbeitszeit ab.

Wir als Leser*In lernen außerdem, dass Anders eigentlich noch einen Kollegen hätte, der heute aber einfach nicht auftaucht.

 

Nach getaner (?) Arbeit macht Anders sich auf den Weg zu Nille, die ihm als Life-Coach aus der Sinnentfremdung helfen soll.

Wiebke Bolduan hat hier ein echtes Juwel geschaffen. Der Zeichenstil ist locker und reduziert aber zugleich messerscharf präzise, kommt mit nur 2 Farben aus (plus Bleistiftschraffur), zeigt eine glaubhafte, lebendige Welt in der glaubhafte, lebendige Charaktere wohnen.

Anders muss sich Fragen stellen, die sich die allermeisten wohl schonmal gestellt haben: Was will ich eigentlich in meinem Leben und bin ich da wo ich hingehöre? Allzuoft werden diese Fragen in Geschichten mit hochtrabenden Abenteuern beantwortet, mit mächtigen Schlachten, geschlagen gegen eindeutige Probleme, mit einem sauberen Ende: JETZT ist alles Gut. Aber wie oft passiert soetwas wirklich? Wieviel öfter geht es uns nicht wie Anders, der eigentlich erstmal gar nicht so recht weiß was sein Problem überhaupt ist? In Nille hat Anders eine großartige Mentorin. Nicht, weil sie ihn in einen Monomythos entführt, sondern weil sie ihm als Coach beisteht und manchmal einfach nur die richtigen Fragen stellt.

Als jemand, der selbst Erfahrung mit Therapien und Depressionen hat, hat es mich tief berührt mit welcher Normalität es hier gezeigt wird, dass jemand erkennt, dass er Hilfe braucht und sich diese Hilfe dann auch holt.

Am Ende hat sich eigentlich gar nicht so viel geändert. Aber die ersten Schritte sind getan.

Ich liebe diesen Comic. Ich liebe die Charaktere, ich liebe wie umsichtig mit ihnen und ihren Problemen umgegangen wird, ich liebe wie echt und glaubhaft diese Geschichte erzählt ist, ich liebe sogar die Pinke Lagune, auch wenn wir nie erfahren warum sie pink ist.

10/10 Punkten, ich würde auch im Regen vorbei kommen und mit einem Warnebi Plüschie ein Pink Trink genießen.

Herzenscomics

Die Herzenscomics sind Favoriten der einzelnen Komitee-Mitglieder und werden mit jeweils 100 Euro ausgezeichnet.

Zack!

von Volker Schmitt und Màriam Ben-Arab

 


ausgezeichnet von Ralf Singh:

"Zack!" von Volker Schmitt & Màriam Ben-Arab (Kibitz-Verlag) bekommt von mir die Auszeichnung als Herzenscomic. Der beim Kibiz-Verlag erschienene Comic erzählt die Geschichte eines jungen Mädchens, das einem gestrandeten Piraten dabei hilft, seine Mannschaft wieder zu finden. Dabei lernt sie den Wert der eigenen Familie zu schätzen. Der Comic ist mit seinem fantastischen Artwork ein Highlight der diesjährigen Einreichungen und ist absolut lesenswert für jede Altersgruppe.

 

Fürchtetal

von Christine Färber & Markus Färber

Ausgezeichnet von Ines Korth:

Trauer zwingt jeden in sein eigenes Szenario.” Mit einem beeindruckend eindringlichem, oft an Holzschnitt erinnernden Tuschestil arbeiten in dem Comic “Fürchtetal” die Geschwister Christine und Markus Färber den Selbstmord ihres Vaters auf. Es geht ums Erinnern, das Erinnern an die eigene Kindheit, an einen Menschen, den es so irgendwie schon eine Weile nicht mehr gibt, und ums Trauern. Das Verlieren eines Elternteils, das schon lange vor dem eigentlichen Tod beginnt, das Festhalten an das Früher, das so schön war, das nicht Begreifen-Können von Nicht-Begreifbarem im Angesicht von psychischen Erkrankungen, das alles hat mich gepackt und mitgenommen, vielleicht sogar mehr, als mir lieb ist. Ich möchte “Fürchtetal” als meinen Herzenscomic auszeichnen.

 

 

 

Das Gute am Ende des Tages

von Greta von Richthofen

Ausgezeichnet von Kathrin Klinger:

Der autobiografische Comic “Das Gute am Ende des Tages” von Greta von Richthofen erzählt davon, wie die Hauptfigur im Frühjahr 2020 nach ihrem Examen ihre Wohnung aufgibt, um mit ihrem Mann nach Spanien zu reisen. Es ist einer der ersten “Corona-Comics” und Greta schafft es authentisch, humorvoll und ohne Selbstmitleid davon zu berichten, wie war als die Pandemie alle Pläne übereinander geworfen hat. Dafür wird der Comic von uns als Herzenscomic ausgezeichnet.